875-jähriges Jubiläum der Hansestadt

Impressionen aus der Hansestadt Lübeck

875 Jahre Lübeck – Lübeck feiert Geburtstag

875 Jahre – das ist ein stolzes Alter, zu dem man der Hansestadt Lübeck in diesem Jahr gratulieren darf. Anders als üblich, hat aber das „Geburtstagskind“ bei seiner großen Feier viele tolle Veranstaltungen an die Gratulanten zu verschenken. Über ein ganzes Jahr verteilt werden Einheimische und Gäste aus aller Welt mit mehr als 100 tollen Shows und sonstigen Events unterhalten. Ein Highlight ist sicherlich die Aufführung einer Oper, die eigens für das Stadtjubiläum komponiert worden ist. Nach Angaben der Projektkoordinatoren werden die Feierlichkeiten zum Festjahr knapp 1,7 Millionen Euro kosten. An diesem Betrag wird sich die Hansestadt Lübeck mit rund 700.000 Euro beteiligen. Die restliche Million wird aus Eigenmitteln beteiligter Einrichtungen sowie von Sponsoren übernommen.

Veranstaltungen, die in der Hansestadt jährlich stattfinden, werden im Jubiläumsjahr in das Gesamtkonzept integriert. Ziel ist es, das komplette Jahr in enger Zusammenarbeit mit in Lübeck ansässigen Institutionen sowie der Wirtschaft zu gestalten.

Hier findet ihr die Veranstaltungen: Lübeck 2018 Veranstaltungen

875 Jahre Lübeck

Die Stadt Lübeck im Zeitraffer – vom Anfang bis heute

Bereits früh wurde die verkehrspolitisch günstige Lage einer Kaufmannssiedlung von einem gewissen Grafen Adolf II. von Schauenburg erkannt, die sich auf einer Halbinsel zwischen Wakenitz und Trave befand. Es war das Jahr 1143, als eben dieser Graf Lübeck gründete und der Ansiedlung das Stadtrecht verliehen. Hiermit wurde der Grundstein für die heutige Hansestadt gelegt, die im Mittelalter den Ruf als „Königin der Hanse“ innehatte. Nach dem Stadtbrand von Lübeck übernahm dann Heinrich der Löwe und gründete im Jahr 1159 das zerstörte Lübeck neu.

Im Fokus des städtischen Geschehens stand schnell nach der Stadtgründung das Bestreben der ansässigen Kaufleute, mithilfe von internationalen Kontakten regen Handel zu treiben. Letzten Endes war der blühende Fernhandel der entscheidende Grund dafür, dass es sich bei der Hansestadt Lübeck über einen Zeitraum von 100 Jahren hinweg um die bedeutsamste Handelsstadt im Ostseeraum handeln sollte.

Lübeck in der Mitte der Hansestädte

Mit der sogenannten Reichsfreiheit aus dem Jahr 1226 erhielt Lübeck eine selbstständige und starke Handelspolitik. In der Stadt wurde das lübische Recht entwickelt, das in etwa 120 Ostsee-Städten Geltung erlangte. Als Tor zur Ostsee konnte Lübeck immer mehr an Gewicht im Handel mit den anliegenden Ostsee-Städten gewinnen. Die Hanse war schließlich das Ergebnis eines langen Prozesses von gemeinsamer Handelspolitik niederdeutscher Kaufleute.

Im weiteren Laufe der Jahrhunderte wuchs die Anzahl der teilnehmenden Städte im Hansebund. So nahmen im 15. Jahrhundert bereits 70 Städte aktiv an der Politik der Hanse teil, beispielsweise indem sie die regelmäßig stattfindenden Hansetage besuchten. Kaufleute aus weiteren mehr als 100 Städten freuten sich über die Privilegien, welche die Hanse im Ausland mit sich brachte. Lübeck befand sich in der Mitte der Hansestädte und nahm als „Haupt der Hanse“ eine vorherrschende Stellung ein.

Das Ende der Hanse wurde mit der Entdeckung des Seewegs nach Indien sowie durch die Gold- und Silbervorräte Amerikas eingeläutet. Die Folge war eine atlantische Wirtschaft, in der das große Geld verdient werden konnte. Holland und England erstarkten zunehmend als Seemächte und wickelten den Ostseehandel mit ihren eigenen ab. Hansische Kaufleute verloren hierdurch immer mehr an Bedeutung – ebenso wie auch die Privilegien der Hanse. Auf Druck der Landesherren schließlich mussten immer mehr Städte dem Hansebund den Rücken kehren.

Geschichte Hansestadt Lübeck

Lübeck ist ein Stehaufmännchen

Dieser Entwicklungen zum Trotz versank die Stadt Lübeck nicht in Bedeutungslosigkeit. So blieb sie weiterhin eine Reichsstadt, in der sich die bedeutendsten Handelswege trafen. Auch den Dreißigjährigen Krieg sowie Napoleon Bonaparte konnte die Stadt weitgehend unversehrt überstehen. Von allen Rückschlägen und Niederlagen konnte sich die Stadt erholen und immer wieder aufs Neue aufblühen. Erst im Jahr 1937 verlor die Hansestadt unter dem Regime der Nationalsozialisten ihre staatliche Selbstständigkeit. Im Zuge des „Groß-Hamburg-Gesetzes“ wurde sie in die preußische Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert.

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Vom Zweiten Weltkrieg wurde Lübeck mitten ins Herz getroffen. Am Palmsonntag des Jahres 1942 wurden weite Teile der Altstadt zerstört. Jedoch konnte Lübeck auch aus dieser Tragödie wie Phönix aus der Asche emporsteigen. Die fleißigen Bürger der Stadt bauten nicht nur die zerstörten Kirchtürme wieder auf, sondern halfen auch der Wirtschaft wieder auf die Beine. Handel und Wissenschaft zogen mit der Fachhochschule und der Universität sowie den Fährverbindungen in die skandinavischen Länder in die ruhmreiche Hansestadt ein. Trotz allem Fortschritt vergaßen die Lübecker niemals ihre Geschichte. So halten sie das alte Stadtbild mit aufopfernder Mühe in Ehren und erhalten es bis zum heutigen Tag. Die Belohnung für diese Mühen: Seit dem Jahr 1987 handelt es sich bei der gesamten historischen Altstadt um ein Weltkulturerbe, worauf die Lübecker zu Recht sehr stolz sind.

Heute ist Lübeck eine Stadt, die auf eine bewegte und lange Vergangenheit zurückblicken kann. Gleichzeitig ist sie jedoch als modern und jung zu bezeichnen, ohne dabei ihre Ursprünge vergessen zu haben.

Interessante Fakten über Lübeck, die Du vielleicht noch nicht kennst

Interessante Fakten über Lübeck

Fakt 1: Es gab ein „Ur-Lübeck“

Eigentlich wurde Lübeck mehrfach gegründet, denn unter ihrem ursprünglichen Namen „Liubice“ wurde die heutige Hansestadt bereits im Jahr 1072 urkundlich erwähnt.

Damals wurde mit dem Namen Liubice jedoch nicht die heutige Stadt Lübeck, sondern eine slawische Siedlung mit Ursprüngen aus dem neunten Jahrhundert bezeichnet. Diese befand sich etwa sechs Kilometer weiter abwärts der Trave. Bereits damals war dieses Ur-Lübeck eine echte Kaufmannssiedlung und hatte beste Handelsbeziehungen bis weit in den Osten hinein und nach Skandinavien aufgebaut.

Im Jahr 1138 war es jedoch vorbei mit der Freude am Handel, denn infolge von Machtkämpfen mit den Slawen wurde die alte Siedlung zerstört. Ein Gutes hatte diese Tragödie jedoch: Der Untergang von Liubice war gleichzeitig die Geburtsstunde der heutigen Hansestadt Lübeck.

Fakt 2: Lukrative Handelsbeziehungen in die gesamte Welt

Organisiert waren die Kaufleute des Mittelalters in sogenannten Kompanien, abhängig davon, wohin sie ihre Handelswege führten. Die Schonenfahrer beispielsweise versorgten Lübeck mit Heringen, die zur damaligen Zeit gerne als Fastenspeise verwendet wurden und daher eine große Bedeutung für die gesamte Bevölkerung der Stadt hatten. Die Novgorodfahrer hingegen waren für die Versorgung der Stadt mit Wachs, Pelzen und Honig aus Russland verantwortlich.

Die Bergenfahrer schließlich lieferten getrockneten Kabeljau in die Stadt, einen sehr begehrten Stockfisch aus dem fernen Norwegen. Die Ladung der Schwedenfahrer an Bord waren Erze. Aus Flandern und England wurden Stoffe sowie fertige Metallwaren importiert. Kostbares Salz, das beispielsweise für das Pökeln von Fleisch eine große Rolle zur damaligen Zeit spielte, wurde hingegen von Lübeck aus in den kompletten Ostseeraum exportiert. Durch Handelsbeziehungen nach Süddeutschland wurde der Handel mit Gütern des Mittelmeeres sowie des Orients (zum Beispiel Wein, Südfrüchte und Gewürze) beflügelt.

Fakt 3: Ruhmreiche Zeitzeugen der Geschichte überall in Lübeck

Das Wasser ist seit der Stadtgründung bis heute das Lebenselixier von Lübeck. Die Einwohner der Hansestadt haben sprichwörtlich nah am Wasser gebaut; dies wird nicht nur bei der alljährlichen „Tradition“ des Hochwassers deutlich, das unter Mithilfe von starkem Ostwind in die Trave drückt, sondern auch anhand der zahlreichen Ausflugsschiffe rund um die Altstadt sowie traumhafte Strandtage in Travemünde.

Insbesondere diese Nähe zum Meer und damit verbunden ein Gefühl von Freiheit sowie eine hohe Lebensqualität sind in der Stadt Lübeck allgegenwärtig. Ein optimaler Standort als See- und Binnenhafen ist ohne Zweifel die Altstadtinsel. Bereits im tiefen Mittelalter bildete die Verbindung zum Meer sowie ins Hinterland eine wichtige Grundlage für die steile Karriere Lübecks und brachte der Stadt ruhmreiche Namen wie „Königin der Hanse“ oder „Tor zur Ostsee“ ein.

Viele Handelswege in die Nordsee, nach Russland, ins Baltikum und nach Skandinavien standen Lübeck offen. Bis heute erinnern die alten Salzspeicher, der Museumshafen inklusive seiner liebevoll aufbereiteten Traditionssegler, das Seefahrerviertel rund um St. Jakobi, die stolzen Kaufmannshäuser und nicht zuletzt das Holstentor an die Erfolgsgeschichten und den Reichtum vergangener Zeiten.

Museumshafen Lübeck in Lübeck

Nun ist es aber keineswegs so, dass der Ruhm vergangener Tage vollkommen von der Hansestadt abgeblättert wäre, wie sich jedermann bei einem Besuch und einem Spaziergang durch Lübecks Innenstadt selbst überzeugen kann. Für den Wirtschaftsraum Ostsee spielt die Hansestadt als Drehscheibe bis heute eine große Rolle. Der größte deutsche Ostseehafen beispielsweise ist Lübeck-Travemünde. Hier finden pro Woche über 100 Abfahrten zu mehr als 20 Partnerstädten im Ostseeraum statt. Eine hervorragende Infrastruktur gewähren hingegen eine direkte Anbindung an Autobahn, Schiene sowie das europäische Binnenwasserstraßennetz über den bekannten Elbe-Lübeck-Kanal.

Fakt 4: Lübeck als industrieller Spätzünder

Natürlich machte die Industrialisierung im 19. Jahrhundert auch vor der Hansestadt Lübeck nicht halt. In dieser Hinsicht zeigte sich Lübeck jedoch als echter Spätzünder, denn der Wandel von einer alten Handelsmetropole hin zu einer Industriestadt vollzog sich in Lübeck erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Aus heutiger Sicht war dieser Umstand von Vorteil, denn durch die erst vergleichsweise spät einsetzende Industrialisierung konnte sich Lübeck den Charme und einzigartigen Charakter einer hanseatischen Hafenstadt bewahren.

Die Grundlagen für die spätere Industrialisierung wurden durch den Ausbau der Eisenbahnstrecke von Lübeck nach Hamburg und der Einführung der Gewerbefreiheit in der Hansestadt geschaffen.

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In der Folge siedelten sich erste Industriebetriebe in Lübeck an, der Hafenausbau wurde forciert und der Bau des heute weit bekannten Elbe-Lübeck-Kanals in Angriff genommen. Die Einwohnerzahl Lübecks stieg aufgrund der finanziell guten Entwicklung sowie dem großen Angebot an Arbeitsplätzen zwischen den Jahren 1867 und 1910 von 44.000 auf 116.000 an. Damit wurde Lübeck zu einer Großstadt der damaligen Zeit. Im Jahr 1907 schließlich wurde das Hochofenwerk in Herrenwyk in Betrieb genommen und zählte damit über viele Jahre zu einem der bedeutsamsten Arbeitgeber in der Stadt. Das Gesicht des Trave-Ufers wurde ganze 74 Jahre von den Hochöfen geprägt und der Lebensrhythmus der Arbeiter sowie ihrer Familien wurde bestimmt durch die eindringlich tönenden Werkssirenen.

Die Arbeit in den Hochöfen stand niemals still; gearbeitet wurde rund um die Uhr im Schichtbetrieb. Hüttenzement und Roheisen waren die Produkte, die in den Hochöfen angefertigt wurden. Während des Ersten Weltkrieges waren mehr als 1.400 Arbeiter in der Hütte beschäftigt. Im Zweiten Weltkrieg hingegen wurde hier vor allem von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern für die Rüstungsindustrie produziert. Im Jahr 1981 musste das renommierte Unternehmen letztlich Konkurs anmelden. Doch auch heute, nach fast 40 Jahren, lassen sich die Spuren dieser Zeit im Industriemuseum Herrenwyk bewundern.

Fakt 5: Lübeck hatte schon immer ein gutes Herz

Lübeck gilt als Stadt der Stiftungen. Die Hansestadt hat in ihrer 875-jährigen Geschichte oftmals bewiesen, dass sie ein großes Herz hat und über Bürgersinn und viele Wohltäter verfügt, denen sowohl die Stadt selbst als auch die Einwohner am Herzen liegen. Diese übernehmen Verantwortung und engagieren sich, die meisten davon zu ihren Lebzeiten und manche auch über ihren Tod hinaus. So existieren heute mehr als 100 Stiftungen in der Hansestadt, die sich kulturellen und sozialen Projekten verschrieben haben. Die Tradition des Stiftungswesens in Lübeck reicht dabei bis ins frühe Mittelalter zurück. Damals wollte man mit frommen Taten Gott gnädig stimmen und sich auf diese Weise einen festen Platz im Paradies sichern.

Holstentor mit den zwei Löwen

Ob nun Waisenkinder, Kranke oder Arme: Es gab im Mittelalter mehr als genug Bedürftige, die auf Almosen und die Hilfe gut situierter Lübecker angewiesen waren. Allgegenwärtig war das Elend, jedoch lebten auch viele fromme Ratsherren und reiche Kaufleute in der Stadt, die weniger um ihren finanziellen Wohlstand als vielmehr um ihr Seelenheil besorgt waren. Aus diesem Grund gaben und halfen sie gerne, um die Not bedürftiger Menschen zu lindern.

Das im Jahr 1263 gegründete Heiligen-Geist-Hospital ist ein gutes Beispiel für die mittelalterliche Fürsorge. Heute zählt diese Institution zu einer der ältesten Sozialeinrichtungen überhaupt in Europa. Ebenso zeugen auch die Stiftshöfe der Altstadt von der Fürsorge der Bürger Lübecks, die um die Weisen und Witwen von Kaufleuten und Seefahrern besorgt waren. Der Füchtingshof ist hierbei das berühmteste Wohnstift, das vom Ratsherren Johann Füchting gestiftet wurde. Nicht weniger als ein Drittel seines Erbes sollten nach seinem Tod zum Nutzen und Besten der Armen verwendet werden.

Neben den Wohltätern aus höheren Kreisen kümmerten sich jedoch auch Bruderschaften von Seeleuten und Handwerkern um Brüder und ihre Familien, die in finanzielle Not geraten waren. Diesem Motto hatte sich auch die Schiffergesellschaft zu Lübeck verschrieben, die im Jahr 1401 als St. Nicolaus-Bruderschaft gegründet wurde.

Fakt 6: Flüchtlinge sind willkommen

Auch heute gibt es noch Menschenfreunde unter uns, die sich einbringen, wenn Not am Mann ist. Zu beobachten war dies auch immer wieder in Lübeck – beispielsweise im Jahr 2015, als immer mehr Menschen vor Gewalt und Krieg aus ihrer Heimat nach Deutschland die Flucht antreten mussten.

Auch Lübeck hatte eine wahre Flüchtlingswelle zu verzeichnen. Dieser Umstand stellte nicht nur die Verantwortlichen der Stadt, sondern auch zahlreiche ehrenamtliche Helfer vor große Herausforderungen. Oftmals arbeiteten diese Helfer bis zur vollkommenen Erschöpfung in den vielen Gemeinschafts- und Notunterkünften sowie der Erstaufnahme auf dem Volksfestplatz.

Der Lübecker Fotograf Stefan H. Schenk sowie seine Frau Anja hatten in diesem Zusammenhang eine hervorragende Idee: Beide betrieben eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Lübecker Flüchtlingshilfe“. Gewissermaßen von heute auf morgen entstand aus dieser Gruppe eine großartige Spendensammelaktion für Schulsachen, Wäsche, Spielzeug und Kleider. Die Spendenfreudigkeit der Lübecker Bürger war hierbei mehr als beeindruckend. Die materielle Hilfe konnte auf diese Weise schnell und unbürokratisch an die Flüchtlinge weitergegeben werden.

Fakt 7: Von Keuschheit, Bier und Schwarzmarkt

Menschen, die im Mittelalter gebrechlich, krank oder alt waren, hatten kein einfaches Leben mehr. Entsprechend beliebt waren Betten im Heiligen-Geist-Hospital. Wollte man einen der begehrten Plätze für sich beanspruchen, musste jedoch im Voraus ein Begräbnisgeld gezahlt sowie sauberes Bettzeug, sechs Stück Essgeschirr und eine Truhe mitgebracht werden.

Historisches Rathaus und Marktplatz

Mit dem Eintritt in das Hospital verpflichtete sich die jeweilige Person zu einem Leben in Keuschheit, Armut und Gehorsam und legte das Versprechen ab, siebenmal täglich für die frommen Stifter zu beten. Im Gegenzug erhielten die Bewohner ein Dach über dem Kopf, achtmal im Jahr ein warmes Bad und ausreichend Lebensmittel. Bis heute weithin berühmt sind die im Jahr 1820 errichteten und bis heute erhaltenen Holzverschläge, sogenannte Kabäuschen, im Langhaus.

Diese waren noch bis zum Jahr 1970 bewohnt und können heute besichtigt werden. Die Männer und Frauen mussten bis zum Einbau der Kabäuschen in zwei Bettenreihen schlafen – natürlich strikt voneinander getrennt. Auch Flüssignahrung in Form von acht Litern Bier täglich gehörten zur Verpflegung der Bewohner. Für einige der Bewohnerinnen war dies jedoch wohl etwas zu viel des Guten und heute rankt sich die Legende, dass sie das überschüssige Gebräu still und heimlich für einige Pfennige auf dem Lübecker Markt verkauften.

Fakt 8: Ein ganz großer Coup

Es war das Jahr 1984, welches das Leben des Baggerfahrers Jürgen Köpsell gehörig auf den Kopf stellen sollte. Bei Erdarbeiten auf dem Gelände der heutigen Musikhochschule hob er mit seinem Bagger einen unglaublichen Schatz, der aus fast 400 Gold- und mehr als 23.000 Silbermünzen bestand.

Vermutlich wurde dieser Münzschatz im 16. Jahrhundert von einem Kaufmann unter der Treppe des Patrizierhauses versteckt, das früher hier gelegen hatte. Umgerechnet betrug der Wert des Schatzes unfassbare 1,8 Millionen Euro. Aufgrund der verschiedenen Geldsorten aus mehr als 80 europäischen Münzstädten konnten die Historiker auf umfangreiche Verkaufsgeschäfte des ursprünglichen Besitzers schließen. Auch der Baggerfahrer, Herr Köpsell, ging nicht leer aus, sondern wurde mit einem Finderlohn in Höhe von 250.000 DM belohnt. Der Münzschatz lässt sich heute im Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig bewundern.

Fakt 9: Das Herz von Lübeck

Das heimliche Herz der Hansestadt Lübeck war im Mittelalter der Markt, auf dem Händler in mehr als 300 Buden ihre Waren zum Verkauf anboten. Damit machten sie ihn zum einzigen und zugleich größten Einkaufszentrum in Lübeck, denn gewöhnliche Kaufgeschäfte waren im zwölften und 13. Jahrhundert ausschließlich auf dem Markt erlaubt. So gesellten sich zu Gerüchen nach Gewürzen und kulinarischen Spezialitäten aus aller Welt auch edle Stoffe sowie bunte Tücher. Das gesamte eifrige Treiben wurde untermalt von Hufgetrappel und Stimmengewirr.

Der Seehandel blüht auf

Ein optisches Highlight in der Mitte des Marktes ist sicherlich der „Kaak“, der als Gerichtslaube sowie Pranger im mittelalterlichen Lübeck verwendet wurde. Nordöstlich des Marktes schließt sich im Winkel eines der schönsten Rathäuser in ganz Deutschland an. Aufgrund seiner beeindruckenden Optik zählt es zu den bekanntesten Bauwerken der Backsteingotik. Mit seinen kleinen Schmuckbalkonen, der großen Schauwand sowie den drei Türmchen gleicht es einem verträumten Märchenschloss aus dem Mittelalter. Es wurde um das Jahr 1240 erbaut und in den folgenden Jahrhunderten mehrfach umgestaltet und erweitert.

So entstanden der Hansesaal, damals Treffpunkt für die Hansetage, sowie das „Danzelhus“ für gesellschaftliche Treffen. Das sogenannte Niedergericht tagte in der Renaissance-Laube des Rathauses in den Arkaden unter freiem Himmel und viermal im Jahr wurden vom Gericht städtische Verordnungen vorgelesen. Damals war Anwesenheit erste Bürgerpflicht. Der Ratskeller in den Kellergewölben des Rathauses hingegen zählt zu einem der ältesten Exemplare seiner Art im Norden Deutschlands und erfüllte damals den Zweck eines geselligen Treffpunktes für die Stadtbewohner. Bis heute ist das Rathaus Verwaltungssitz sowie Tagungsort der Bürgerschaft und des Senats in der Hansestadt Lübeck.

Fakt 10: Gute Besserung?

Damals und heute gilt Gesundheit als höchstes Gut, das ein Mensch haben kann. Selbstverständlich war es um die medizinischen Kenntnisse der Menschheit im Mittelalter noch nicht allzu gut bestellt. Aus diesem Grund galten vor allem Gebet, Buße und Beichte als Allheilmittel gegen Krankheiten und Tod. Kranke Menschen hatten damals selbst schuld an ihrer Krankheit, denn diese galt als Strafe Gottes für ein sündiges Leben. Das Schicksal der Menschen lag ohne ärztliche Versorgung und Medikamente allein in der Hand Gottes und die Pflege der Kranken wurde entsprechend oft von Mönchen und Nonnen übernommen.

Nicht anders verhielt es sich auch im Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck, das im 13. Jahrhundert von gottesfürchtigen Kaufleuten gestiftet worden war. Medizinische Probleme wurden zu erschwinglichen Preisen von einem Bader übernommen, der im Badehaus neben Massagen und Sitzbädern auf Wunsch auch für eine glatte Rasur und einen sauberen Haarschnitt der Gäste sorgte. Das Schröpfen, das Behandeln von Geschwüren, gebrochenen Knochen, Zahnproblemen und Wundversorgung sowie der damals allseits beliebte Aderlass gehörten zum mehr oder weniger erlernten Handwerk eines Baders. In Lübeck zählte man Anfang des 14. Jahrhunderts etwa 16 Badehäuser.

Deutlich radikaler ging man im Lübeck der damaligen Zeit mit unheilbar Kranken oder Menschen um, die an Lepra litten. Diese wurden kurzerhand in ein Siechenhaus vor den Toren der Stadt verbannt. Zuvor wurde den Todgeweihten noch eine Messe gelesen und anschließend übergab man sie ihrem Schicksal. Psychisch Kranke wurden ebenfalls vor dem Burgtor abgeladen und in sogenannten Tollkisten untergebracht.

Zum Glück ist dieser menschenunwürdige Umgang mit Tod und Krankheit nur noch eine traurige Erinnerung an das Mittelalter. Im Laufe der Jahrhunderte etablierte sich auch in Lübeck ein verantwortungsbewusstes und modernes Gesundheitswesen. Gemeinsam mit Kiel verfügt Lübeck mit dem UKSH über das zweitgrößte Universitätsklinikum in Deutschland.

Fazit: Eine Zeitreise in die Geschichte der Stadt Lübeck sowie die bemerkenswerten Fakten, die im Zusammenhang mit der Hansestadt stehen, machen deutlich, warum Lübeck es mehr als verdient hat, sein diesjähriges 875-jähriges Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen über das ganze Jahr verteilt zu feiern. Eingeladen zu den Feierlichkeiten, die an den verschiedensten Orten in Lübeck stattfinden werden, sind natürlich nicht nur einheimische Lübecker Bürger, sondern auch Freunde und Gäste aus aller Welt, die der ruhmreichen Hansestadt einen Besuch ab.

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Letzte Aktualisierung am 22.10.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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2 Comments

  1. Ich bin in Lübeck geboren worden vor 60 Jahren und lebe immer noch hier, worüber ich bis heute sehr glücklich bin, was ich hoffendlich auch bleibe.

    • Lieber Ronald,

      lieben Dank, für Deinen lieben Kommentar. Also bist Du sozusagen ein Urgestein von Lübeck 🙂 Toll! Lübeck ist eine schöne Stadt. Ich bin gebürtiger Kieler und bin viel herumgezogen, aber hier fühle ich mich neben Kiel zuhause. Ich mag die idyllische und schöne Stadt sehr.

      Viele Grüße
      André

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